Ob Gewalt, Frauenfeindlichkeit oder das bunte Potpourri seltsamer und abstruser Vorstellungen: In der Bibel finden wir vieles, bei dem wir fast nicht glauben können, dass das wirklich in der Bibel steht – Texte, die wir lieber verdrängen, überlesen oder gar nicht erst lesen. Wenn wir aber nicht in einen Selektionismus verfallen und uns aus der Bibel nur das herauspicken wollen, zu dem wir einen unmittelbaren Zugang finden, müssen wir die Auseinandersetzung mit diesen Texten suchen. Wenn wir uns auch den hässlichen Seiten unserer kulturellen und religiösen Tradition stellen wollen, müssen wir einen adäquaten Umgang mit diesen Texten finden. Zumindest kann es keine Lösung sein, ihnen auszuweichen oder sie auszublenden. Das verbietet die Ganzheit des biblischen Kanons genauso wie die Verantwortung für unser geistiges Erbe, das in der Welt ist, ob wir das nun wahrhaben wollen oder nicht.

Eine große Hilfe kann hier die wissenschaftliche Exegese sein, die diese Texte in ihre historischen und literarischen Kontexte einordnet und so Verstehen ermöglicht: Auf welchem geschichtlichen Hintergrund es zu dieser oder jener Vorstellung gekommen ist, wie Texte im Laufe der Jahrhunderte in immer neue Bedeutungszusammenhänge eingeordnet und dadurch möglicherweise vereinseitigt, verschärft oder ideologisch aufgeladen wurden, welche Funktion diese oder jene Formulierung im Textganzen ausübt etc.
Doch kann auch die Bibelwissenschaft diesen Texten ihren Stachel nie ganz ziehen – gerade mit Blick auf die gläubige Lektüre der Bibel, wo wir uns Antworten und Impulse für unser (Glaubens-)Leben aus der Bibel erhoffen und wo sich deshalb die Frage des Umgangs mit einem Bibeltext verschärft stellt. Um hier weiterzukommen, müssen wir zunächst eine sehr viel grundlegendere Frage beantworten: Was die Bibel als Heilige Schrift für uns überhaupt ist – und was nicht – und wie ein angemessener Umgang mit ihr aussehen kann? Mit ihr als ganzer, d.h. in Bezug auf alle Texte der Bibel, auch auf die, die uns näher und vertrauter erscheinen, die wir auf Anhieb zu verstehen meinen, und nicht nur für die fremden, abseitigen und gewaltsamen Bibeltexte, wo uns dieses Erfordernis lediglich drängender vor Augen steht.
Dieser dreifachen Herausforderung – einer exegetischen Annäherung an diese „schwierigen“ Texte der Bibel, der persönlichen Auseinandersetzung mit ihnen sowie der Suche nach einem geeigneten Modell für den Umgang mit Bibeltexten insgesamt – möchte sich die KEB ab dem Frühjahr 2026 mit einer Online-Reihe stellen:
„WHAT THE BIBLE?! Kuriose, irritierende und provozierende Bibelstellen unter die Lupe genommen“
Los geht’s am 17. März 2026 um 19:00 Uhr auf der Online-Bildungsplattform der KEB mit „Der erste Vollrausch der Menschheitsgeschichte und seine Folgen (Gen 9,18-27)“, wo eine sonderbare Begebenheit um Noah und seine drei Söhne auf dem Hintergrund urgeschichtlicher Theologie gelesen und auf ihre Wirkungsgeschichte hin befragt werden soll. Alle zwei Monate wollen wir uns dann an einem Dienstagabend einem weiteren seltsamen und bisweilen schwer verdaulichen Text aus der Bibel widmen.
Nähere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie ab sofort hier.
